Die Sache mit #2..den Ratschlägen

Die ganze Sache fängt in dem Moment an in dem du Leuten von deinem kleinen, überwältigendem Glück erzählst, dass du schwanger bist. Es hagelt nur so auf dich ein und du verlierst dich im Zwiespalt zwischen Hausgeburt, Wassergeburt, natürliche Geburt und so weiter und so weiter. Danach wird es noch schlimmer. Stillen, nicht stillen. Impfen, nicht impfen. Brei aus dem Gläschen, selbst gekocht. Helikoptermama, unverantwortliche Mama. Für die Welt offensichtlich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Das hier wird mit Sicherheit eine Art Abrechnung und nicht für viele das rosarote Babyleben, welches man erwartet. Denn es ist ganz sicher, dass jeder, Elternteil oder nicht, Fremde, Familienmitglieder, Freunde, Kassiererinnen im Supermarkt, vor Allem auch Menschen im Internet, die weder dich noch dein Kind jemals erlebt haben – niemand ausgenommen – Tipps, Ratschläge, Tricks und Erfahrungen für dich parat hat. Mir kommt es manchmal vor als wurden diese auf Tonband aufgenommen und werden immer und immer und iiiimmer wieder für dich abgespielt werden. Und hey, ich weiß, das ist gut gemeint und „nur als Tipp“ in den Raum geworfen worden.

Aber (!) mit allen kannst oder willst du nichts anfangen oder auch sie passen einfach nicht zu deinem Kind, deinem Leben, dir. Und das ist okay. Nein, das ist gut so. Meine Mutter hat mir immer wieder gesagt auf mein Bauchgefühl zu hören. Und zur Anfangszeit dachte ich „verdammt, welches Bauchgefühl?!“ Aber das kommt. Man kennt sein Kind, seine Fähigkeiten, seine Stimmung. Und niemand kann es so einschätzen wie du.

img_0106

Es ist nicht so, als hätte ich vieles davon nicht ausprobiert. Denn naja, so ins kalte Wasser geworfen ist man ja eigentlich um jede Hilfe froh. Kurz nach Emmas Geburt zum Beispiel. So viele Menschen haben mir gesagt ich hätte ein so genanntes „Tragebaby“. Einfach weil sie sich in meinen Armen am wohlsten gefühlt hat und am ehesten eingeschlafen ist. Okay, dachte ich, dann besorg ich mir so ein Tragetuch. Praktisch wäre das ja allemal, denn wenn dir Abends der Arm taub wird und du aber nicht die Seite wechseln willst, damit das Mäuschen nicht aufwacht, ist das nicht wirklich eine angenehme Situation.

Nichts war’s. Emma hat es gehasst. Egal wer sie getragen hat. Sogar meine Hebamme hat es versucht, und die sollte ja Profi sein. Sobald sie festgebunden war und sich nicht mehr so bewegen konnte wie ihr das lieb war fing sie an zu weinen. Und nein, auch der Rat „du musst hart bleiben und einfach ein wenig durch die Gegend laufen, das beruhigt sie dann schon“ hat uns nicht geholfen. Doch kein Tragebaby. Genau so wie damals als ich gemerkt hatte, dass mein Kleines keine Lust mehr hatte gestillt zu werden. „Bleib dran Jessi, das wird schon wieder!“ oder als sie aus der Babyschale vom Kinderwagen lieber in den richtigen Sitz wollte. „Nein, ohje , das ist viel zu früh!“ Sogar den Schlafrhythmus meines Babys hab ich schon verteidigen müssen. „Wie sie darf bei euch im Bett schlafen?! Klar wacht sie dann oft auf – Die bekommst du nie wieder los!“ Wer möchte so etwas hören? Wer möchte von sämtlichen eventuellen Kinderkrankheiten in „Elternbüchern“ lesen, die dir sagen was du zu tun und zu  lassen hast. Wer möchte von jemandem, der nicht in deinem Körper steckt, hören wie du ein Kind zur Welt bringen sollst weil es so „besser“ ist als alles andere. Wer will gesagt bekommen, dass man Rabenmutter ist wenn man nur kurz oder gar nicht stillt? Wer möchte dass andere entscheiden ob dein Kind geimpft wird oder nicht? Wer möchte hören was er eventuell alles falsch macht?  Im Internet fragen junge Mütter was sie nur tun sollen, weil ihr Kind nicht alle 3 Stunden Hunger hat, so wie es die Hebamme aber sagt und möchte. Hört verdammt nochmal damit auf. Eurer Kind braucht euch. Alles andere ist erst mal Nebensache. Ob im Tragetuch, im Kinderwagensitz, stillend oder nicht stillend..Es ist mein Kind, mein Körper, meine Entscheidung.

Ich hätte unzählige Beispiele für Situationen, in denen ich besser auf mein Gefühl anstatt auf Bücher, Internet oder Umfeld gehört hätte. Und ich sage nicht, dass ich nicht auch Freundinnen anrufe, die selbst schon Mutter sind oder Emmas Oma frage wie das denn damals bei mir war. Denn es gibt Momente, da steht man selbst vor einem riesigen Fragezeichen. Trotzdem ist es das aller wichtigste, für dich als Mama und für dein kleines Baby euer eigenes Ding zu machen. Findet euer Routine, von der da alle sprechen, dann wenn es euch passt, wechselt Stillpositionen wenn euch danach ist, testet euch. Und testet euer Baby. Vorher wissen wir doch gar nicht wie sie es aufnehmen oder zu Sachen stehen. Emma hat mit vier Monaten den ersten Brei gegessen. Ab da darf man das laut Hersteller, aber dennoch hab ich von allen Seiten auf die Nuss bekommen wie sehr ich das denn erzwingen würde. Und ich werde, auch wenn ich das schon musste, mich dafür nicht mehr rechtfertigen oder erklären. Weiter so intuitiv handeln und meinem Kind die Chance geben ihre eigenen Gewohnheiten zu finden, ohne dass sie die annehmen muss, die ich in Büchern lese, in denen nicht stillende Mütter zerfleischt werden wie das Reh vom Löwen.

img_0100

Denn eigentlich ist die Sache doch einfach nur die, dass du versuchst jeden Tag dein Bestes zu geben, deinem Kind gute Eltern zu sein, es richtig zu fördern und glücklich zu sehen. Wenn es Emma also glücklich macht Dinge zu tun, zu sitzen, Brei zu essen, Dinge in die Hand zu nehmen, dann darf sie das. Wenn Emma weint, aus gutem Grund versteht sich, dann komm ich zu ihr und versuche dies zu ändern. Damit verwöhne ich mein Kind nicht, damit zeig ich ihr nur, dass sie mir vertrauen kann und ich immer für sie da bin. Denn das ist alles was ich mir wünsche was sie lernt. Für unsere Mutter – Kind Beziehung ist das, und war der Weg dahin, unfassbar wichtig. Wir haben ausprobiert, uns nicht auf Worte verlassen, erst recht nicht auf die tausende von Foren, in denen Mamas sich gegenseitig virtuell ins Gesicht springen. Ich habe gemacht. Und entweder hat Emma mitgemacht oder eben nicht. Danach war ich schlauer. Vor allem schlauer als nach jedem Ratschlag. Das hat uns beide zwar einiges an Tränen gekostet, aber dafür funktioniert jetzt alles reibungslos. Alles andere hätte unnötig Stress verursacht. In mir, und damit auch für mein Kind.

Und deshalb sage ich, als Vollzeitmama. Lasst es, haltet euch verdammt nochmal raus. Aus Erziehung, Ernährung, Tagesablauf, Beziehung von mir und meinem Kind. Nennt mir auch nur einen Grund, wieso sie diese Entscheidungen nicht selbst treffen sollte, beziehungsweise wenn dann nur ich sie dabei unterstützen sollte. Niemand von den Ratschlag Gebern ist Tag und Nacht da. Niemand steckt in meiner oder der Haut meiner Tochter. Und allein deswegen. Ist alles, ohne Ausnahme, allein unsere Entscheidung.

Wenn ihr also wiedermal einer Mutter begegnet die mit ihrem(!) eigenen Kind etwas tut, was ihr nicht für gut befindet. Dann denkt euch euren Teil. Und seid verdammt nochmal still. Oder sagt ihr stattdessen wie sehr ihr sie für ihren Mut bewundert, wie sehr man ihre Stärke spürt. Denn genau das, das!, brauchen wir in diesen Momenten. Momenten, in denen wir selbst unsicher sind und uns andere Mütter noch durch ihren Senf weiter in die Knie zwingen. Lasst euch nicht beirren, liebe Mamis. Genau das was euer Herz und euer Bauch, Intuition, you name it spricht ist das richtige. Und selbst das war ein Ratschlag.

Advertisements

4 thoughts

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s