Stell dir mal vor..

..du hast ein Kind. Ob du nun Vater oder Mutter bist, ist wie fast immer ganz egal. Sagen wir es sei ein Mädchen, gerade 4 Jahre alt. Du liebst sie, wie man sein eigenes Kind eben liebt. Bedingungslos, aufopfernd und ehrlich. Seit einigen Wochen darf sie alleine vom Kindergarten nach Hause laufen. Der Weg ist nicht weit, du hast ihr alles wichtiges beigebracht. An der Straße stehen bleiben, nach links und rechts schauen, sich im Kindergarten abmelden, nicht mit Fremden mitgehen und so weiter und so weiter. Du und dein Partner arbeiten beide. Heute habt ihr sogar noch einen gemeinsamen Termin und habt die befreundeten Nachbarn darum gebeten eure Tochter heute zum Mittagessen bei sich zu behalten. Und dann kommt der Anruf. Sie sollte seit einer Stunde dort angekommen sein, ist es aber nicht. Jegliche Szenarien rasen dir durch den Kopf. Autounfall, hingefallen, verlaufen..mitgenommen worden?!

Für mich persönlich ist das der schlimmste Albtraum. Ich höre meine Tochter schon jetzt panisch schreien wenn ich mir diese Situation im Kopf ausmale. Gänsehaut überall..

Das ist einer der Gründe warum für Emmas Papa und mich bereits vor ihrer Geburt feststand, dass wir niemals zu viel von ihr preisgeben wollen. Für die Öffentlichkeit und damit Fremde meine ich. Auf gar keinen Fall ihr Gesicht. Egal wie alt sie ist. Und wir haben eine wunderschöne Tochter, die mit Sicherheit (jaja sagen alle..) ein top Werbegesicht für Pampers & Co wäre. Trotz allem müssen wir sie schützen. Und mit nichts anderem hat es zu tun.

Ich habe einige Freundinnen und Bekannte, die sich in diesem Punkt anders entschieden haben und ihren Nachwuchs nicht „verstecken“. Das ist okay. Und ich möchte hiermit auch niemandem ans Bein pinkeln. Dennoch, halte ich es für gefährlich und mutig.

Den Punkt, dass die Kids das selbst entscheiden sollen, wieviel und was sie von sich preisgeben wollen, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben lass ich hier aus. Das halte ich für selbstverständlich und absolut menschlich. (Ich bin ganz froh, dass meine Mutter gewisse Babybilder von mir ganz sicher zuhause in ihrem Album eingeklebt hat..im Keller..ganz hinten im Regal 😉 ) Jedoch, vergisst das große Netz eben auch nichts. Es fängt an bei der Bekanntgabe auf Facebook Mutter oder eben Vater geworden zu sein. Wenn man die Funktion nutzt, steht da gleich mit an welchem Datum, zu welcher Uhrzeit und in welcher Stadt. BÄM. Einige geschickte Anrufe im richtigen Krankenhaus oder beim richtigen Amt und ein Fremder kennt den vollen Namen mitsamt der aktuellen Anschrift meines Kindes. Nehmen wir an dieser Fremde hat böses vor, ob nun krankheitsbedingt oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Man macht es ihm auch nicht gerade schwer.

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Es geht weiter bei dem dauerhaften Begleiten mit der Kamera und darauffolgenden Veröffentlichung. EGAL wie privat oder unzugänglich ein Profil auf irgendeinem sozialen Netzwerk erscheinen mag. Suchmaschinen finden alles. Ohne großes Equipment oder Kenntnis finde ich mit viel Geduld und Zeit alle Informationen. Im Hintergrund des so süß lächelnden Kindes seh ich das Straßenschild, Klingelschild, die Hausnummer, einen Briefumschlag mit der kompletten Anschrift, eine Telefonnummer..you name it. zweites BÄM.

So lässt sich ziemlich viel verfolgen. Eben auch wo sich das Kind wann aufhält, welches Auto man fährt, wann man zuhause ist und so weiter. Ich müsste Emma nur mal eben vor der Tür warten lassen weil ich meinen Geldbeutel vergessen habe..

Mal abgesehen vom wohl schlimmsten was passieren kann, gibt es wie ich finde einen weiteren Grund sein Kind so weit es geht aus der Onlinewelt rauszuhalten. Ich bin Mitglied in einer Facebook Gruppe die sich „Mutter und Kind“ nennt. In der Schwangerschaft habe ich mich da gerne mal durchgelesen, mir Sachen gemerkt, mich ein wenig vorbereitet. Mittlerweile dient sie, sorry, weitestgehend zu meiner Belustigung. (Vor nicht all zu langer Zeit fragte ein anderes Mitglied öffentlich ob man sich die 3D-Brillen für den 3D-Ultraschall selbst besorgen müsste oder man sie beim Frauenarzt ausleihen kann…) Vor etwa 2 Wochen schätze ich, wurde in eben dieser Gruppe bekannt, dass eine andere Seite auf Facebook viele, wenn nicht alle, Bilder die in der Gruppe veröffentlicht wurden und auf denen Kinder zu sehen sind, gespeichert und neu veröffentlicht hat. Sich auszumalen, wer hinter dieser anderen Seite steckt, und Texte wie „ist sie nicht hübsch?“ zu den Bildern verfasst, lässt mich genau so erstarren wie bei dem Szenario zu Beginn. Wie kann man, entschuldigt bitte, aber so etwas riskieren?! Ich möchte nicht sagen dass der Verfasser dumm oder einfach nur leichtfertig war, sondern sehe ganz genau die mögliche Krankheit hinter solch einem Verhalten. Aber ich sehe es eben auch, wie herausfordernd manche Eltern mit den Bildern ihrer Kleinen umgehen. Teilweise Bilder, in denen die Babys auf dem Wickeltisch liegen..höchstens eine Windel an.

Bei dem Gedanken dass die Rechtfertigung meist „Babys sehen doch eh alle gleich aus“ oder „als ob uns sowas passiert“ sein werden wird mir schlecht. Ich könnte niemals mit der Gewissheit leben, dass ich, wo ich so viel Verantwortung für dieses junge Leben trage, auch nur einen Teil Schuld daran habe wenn es durch irgendetwas zerstört wird.

Ich möchte nicht, dass mein Kind irgendwann von Fremden angesprochen wird. Ich möchte nicht, dass irgendwo auf dieser Welt ein Mann vor einem Bildschirm sitzt und sich zu dem Bild meiner Tochter .. naja ihr wisst schon..das Leben schöner macht. Und es ist so wahrscheinlich, in der jetzigen Welt, und wie sie und ihre Bewohner sich grade verändern und verhalten, dass es eben doch passiert. Wenn nicht, hey..lucky you. Ich möchte aber nicht „lucky“ kurz mal davon kommen, sondern mir sicher sein. Und deshalb, wird sie, bis sie alt genug ist, und selbst dann auch sicher von uns beobachtet, nicht online zu sehen sein. Niemals.

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