Manchmal.

Irgendwo zwischen den wieder nicht frisch bezogenen Bettdecken, dem zum x-ten mal aufgewärmten Essen von heute Mittag, Schnullern und Schnüffeltieren sitze ich hier gerade. Und fühle mich genau so wie ich aussehe. Erschöpft. Nicht unbedingt körperlich, das bestimmt auch, doch um das zu sehen fehlt mir meist die Zeit.

Erschöpft vom Denken, von Verantwortung, die immer deutlicher wird, vom Hin und Her in meinem Kopf, vom zerrissen Sein zwischen so vielen Welten-vielleicht auch Versionen meiner selbst. Vom Gründe suchen und von Sehnsucht. Sehnsucht nach Intimität, Ferne, Zeit, mir, 2 weiteren Wäscheständern und der Möglichkeit sein zu lassen.

Manchmal..wäre ich gern jemand anderes. Die Super Mom. Die von zuhause arbeitet, auf Instagram ihr perfektes Leben, ihr perfektes Kind, ihre perfekte Wohnung, ihr perfektes Make-up und ihr perfektes Lächeln präsentiert. Meine Hände verdecken meine Augen und ich versuche für einen Moment tief durchzuatmen und das alles hier in meinem Kopf zu ordnen. Das Babyphone geht an. „Bitte nicht..“

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Es ist gut so wie es ist. Mein Kind bedeutet mir das größte und einzig zählende Glück. Und nur sie kann mich aus genau diesen Gedanken auch wieder befreien. Die überwältigende Liebe in Worte zu fassen ist mir noch immer nicht möglich. Und keine Frage, nichts von alle dem könnte je größer werden. Aber es ist eben da. Irgendwie unterbewusst.

Manchmal..alleine duschen, alleine auf Toilette gehen, in Ruhe warm essen, warmen Kaffee trinken, liegen bleiben, etwas zu Ende bringen, nichts sagen müssen, die Koffer packen, nicht voller Angst den Kontostand checken, spontan aus dem Haus gehen, länger draußen bleiben, alleine einkaufen..

Wir wussten auf was wir uns einlassen. Und ich bereue nichts davon. Reue wäre das falsche Wort. Aber es gibt auch keins das es beschreibt. Dieses gerade viel zu überwältigende Gefühl von Verantwortung. Entscheidungen zu treffen, wie die ab wann sie in die Kita geht, wo ich arbeite, wieviel ich arbeite, ob ich mein Leben in Deutschland verbringen möchte, ob Träume jetzt Träume bleiben müssen oder sich vielleicht einfach nur nach hinten verschieben? Wie sehr wird all das ihre Zukunft beeinflussen?

Manchmal..fühle ich mich egoistisch, allein, überfordert, zu selten allein, unterfordert. Als sei ich ihr nicht gerecht, vielleicht gar keine so tolle Mutter. Pädagogisch völlig falsch, viel zu streng, in den anderen Fällen nicht streng genug. Aber eben auch, als sei ich mir nicht gerecht. Ich muss auf mich Acht geben, meine Gesundheit spielte mir erst kürzlich den ersten Streich. happy mom happy child…oder andersrum?

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„Ist irgendwas?“ .. naja irgendwas..denke ich. Aber ich kann es nicht recht greifen. Es ist Herz gegen Kopf. Bauch gegen Verstand. Und normalerweise bin ich Bauchmensch. Doch so ein kleines Bündel, was vor verdammten 16 Monaten auf einmal in meinen Armen lag, änderte das irgendwie. Änderte so viel. Vor allem mich. Und ich schrieb bereits wie dankbar ich dafür bin. Aber..

Manchmal..wünsch ich mir das „alte“ zurück. Nur für einen Abend. Denn selbst wenn ich nicht zuhause mit dem Kind schlafen gehe, bin ich im Kopf immer wieder dort. Oder denke daran, dass ich ihr auch am nächsten Tag gerecht werden muss und denke mehrmals darüber nach nicht doch schon nachhause zu gehen. Obwohl sie alle da sind. Die Freunde dies verstehen würden. Aber mit dem Gedanken bin ich allein. Und manchmal..nervt das, schlaucht das, will ich das nicht.

Manchmal..wär ich gerne wieder unvernünftig, spontan, richtig betrunken nachts einen Döner essen, freier, kopfloser und „ich“. Oder zumindest, diese Version von mir. Ich will mal wieder einfach nur am See liegen. Ohne ständiges Hin und Her flitzen, dem Schwimmwindelpo hinterher. Ich will mal wieder ne Dinnerparty schmeißen, ohne vorher 47 Kisten Spielzeug im Schrank zu verstecken. Ich will zum Abendessen mal wieder Fastfood essen. Ohne darüber nachzudenken, dass dann vermutlich jemand davon abhaben will, der das nicht essen sollte. Ich will wieder regelmäßig Sport machen können. Ohne dabei ein Zeitfenster, welches eh nur in der Theorie existiert wie den Mittagsschlaf nutzen zu müssen. Ich will mal wieder einen ganzen Tag im Bett verbringen und sinnlos Serien schauen. Ohne das „babyfrei“ sinnvoll nutzen zu müssen.

Ich will, ich will, ich will..einfach alles richtig machen.

One thought

  1. Einfach schön geschrieben liebe Jessi ❤ Jeder darf wollen, wünschen, hoffen, mal egoistisch sein. Selbstreflektion kann nicht jeder, deine ist ehrlich und total nachvollziehbar. Reflektiere aber auch deine Stärke, deinen Mut, dein Verantwortungsbewusstsein und deine Liebe, die du Emma gibst, wieder. Dann wirst du merken, dass du ganz tief im Inneren eine Super Mom bist.

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